898
Vor dem Thor.
899
Spaziergänger aller Art ziehen hinaus.
900
Einige Handwerksbursche.
901
Warum denn dort hinaus?
902
Andre.
903
Wir gehn hinaus auf's Jägerhaus.
904
Die Ersten.
905
Wir aber wollen nach der Mühle wandern.
906
Ein Handwerksbursch.
907
Ich rath' euch nach dem Wasserhof zu gehn.
908
Zweyter.
909
Der Weg dahin ist gar nicht schön.
910
Die Zweyten.
911
Was thust denn du?
912
Ein Dritter.
913
Ich gehe mit den andern.
914
Vierter.
915
Nach Burgdorf kommt herauf, gewiß dort findet ihr
916
Die schönsten Mädchen und das beste Bier,
917
Und Händel von der ersten Sorte.
918
Fünfter.
919
Du überlustiger Gesell,
920
Juckt dich zum drittenmal das Fell?
921
Ich mag nicht hin, mir graut es vor dem Orte.
922
Dienstmädchen.
923
Nein, nein! ich gehe nach der Stadt zurück.
924
Andre.
925
Wir finden ihn gewiß bey jenen Pappeln stehen.
926
Erste.
927
Das ist für mich kein großes Glück;
928
Er wird an deiner Seite gehen,
929
Mit dir nur tanzt er auf dem Plan.
930
Was gehn mich deine Freuden an!
931
Andre.
932
Heut ist er sicher nicht allein,
933
Der Krauskopf, sagt er, würde bey ihm seyn.
934
Schüler.
935
Blitz wie die wackern Dirnen schreiten!
936
Herr Bruder komm! wir müssen sie begleiten.
937
Ein starkes Bier, ein beizender Toback,
938
Und eine Magd im Putz das ist nun mein Geschmack.
939
Bürgermädchen.
940
Da sieh mir nur die schönen Knaben!
941
Es ist wahrhaftig eine Schmach,
942
Gesellschaft könnten sie die allerbeste haben,
943
Und laufen diesen Mägden nach!
944
Zweyter Schüler zum ersten.
945
Nicht so geschwind! dort hinten kommen zwey,
946
Sie sind gar niedlich angezogen,
947
's ist meine Nachbarin dabey;
948
Ich bin dem Mädchen sehr gewogen.
949
Sie gehen ihren stillen Schritt
950
Und nehmen uns doch auch am Ende mit.
951
Erster.
952
Herr Bruder nein! Ich bin nicht gern genirt.
953
Geschwind! daß wir das Wildpret nicht verlieren.
954
Die Hand, die Samstags ihren Besen führt,
955
Wird Sontags dich am besten caressiren.
956
Bürger.
957
Nein, er gefällt mir nicht der neue Burgemeister!
958
Nun, da er's ist, wird er nur täglich dreister.
959
Und für die Stadt was thut denn er?
960
Wird es nicht alle Tage schlimmer?
961
Gehorchen soll man mehr als immer,
962
Und zahlen mehr als je vorher.
963
Bettler singt.
964
Ihr guten Herrn, ihr schönen Frauen,
965
So wohlgeputzt und backenroth,
966
Belieb' es euch mich anzuschauen,
967
Und seht und mildert meine Noth!
968
Laßt hier mich nicht vergebens leyern!
969
Nur der ist froh, der geben mag.
970
Ein Tag den alle Menschen feyern,
971
Er sey für mich ein Aerndetag.
972
Andrer Bürger.
973
Nichts bessers weiß ich mir an Sonn- und Feyertagen,
974
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrey,
975
Wenn hinten, weit, in der Türkey,
976
Die Völker auf einander schlagen.
977
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
978
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
979
Dann kehrt man Abends froh nach Haus,
980
Und segnet Fried' und Friedenszeiten.
981
Dritter Bürger.
982
Herr Nachbar, ja! so laß ich's auch geschehn,
983
Sie mögen sich die Köpfe spalten,
984
Mag alles durch einander gehn;
985
Doch nur zu Hause bleib's beym Alten.
986
Alte zu den Bürgermädchen.
987
Ey! wie geputzt! das schöne junge Blut!
988
Wer soll sich nicht in euch vergaffen? --
989
Nur nicht so stolz! es ist schon gut!
990
Und was ihr wünscht das wüßt' ich wohl zu schaffen.
991
Bürgermädchen.
992
Agathe fort! ich nehme mich in Acht
993
Mit solchen Hexen öffentlich zu gehen;
994
Sie ließ mich zwar, in Sanct Andreas Nacht,
995
Den künftgen Liebsten leiblich sehen.
996
Die Andre.
997
Mir zeigte sie ihn im Krystall,
998
Soldatenhaft, mit mehreren Verwegnen;
999
Ich seh' mich um, ich such' ihn überall,
1000
Allein mir will er nicht begegnen.
1001
Soldaten.
1002
Burgen mit hohen
1003
Mauern und Zinnen,
1004
Mädchen mit stolzen
1005
Höhnenden Sinnen
1006
Möcht' ich gewinnen!
1007
Kühn ist das Mühen,
1008
Herrlich der Lohn!
1009
Und die Trompete
1010
Lassen wir werben,
1011
Wie zu der Freude,
1012
So zum Verderben.
1013
Das ist ein Stürmen!
1014
Das ist ein Leben!
1015
Mädchen und Burgen
1016
Müssen sich geben.
1017
Kühn ist das Mühen,
1018
Herrlich der Lohn!
1019
Und die Soldaten
1020
Ziehen davon.
1021
Faust und Wagner.
1022
Faust.
1023
Vom Eise befreyt sind Strom und Bäche,
1024
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
1025
Im Thale grünet Hoffnungs-Glück;
1026
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
1027
Zog sich in rauhe Berge zurück.
1028
Von dorther sendet er, fliehend, nur
1029
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
1030
In Streifen über die grünende Flur;
1031
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
1032
Ueberall regt sich Bildung und Streben,
1033
Alles will sie mit Farben beleben;
1034
Doch an Blumen fehlts im Revier,
1035
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
1036
Kehre dich um, von diesen Höhen
1037
Nach der Stadt zurück zu sehen.
1038
Aus dem hohlen finstren Thor
1039
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
1040
Jeder sonnt sich heute so gern.
1041
Sie feyern die Auferstehung des Herrn,
1042
Denn sie sind selber auferstanden,
1043
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
1044
Aus Handwerks- und Gewerbes Banden,
1045
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
1046
Aus der Straßen quetschender Enge,
1047
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
1048
Sind sie alle ans Licht gebracht.
1049
Sieh nur sieh! wie behend sich die Menge
1050
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
1051
Wie der Fluß, in Breit' und Länge,
1052
So manchen lustigen Nachen bewegt,
1053
Und, bis zum Sinken überladen
1054
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
1055
Selbst von des Berges fernen Pfaden
1056
Blinken uns farbige Kleider an.
1057
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
1058
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
1059
Zufrieden jauchzet groß und klein:
1060
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's seyn.
1061
Wagner.
1062
Mit euch, Herr Doctor, zu spazieren
1063
Ist ehrenvoll und ist Gewinn;
1064
Doch würd' ich nicht allein mich her verlieren,
1065
Weil ich ein Feind von allem Rohen bin.
1066
Das Fiedeln, Schreien, Kegelschieben,
1067
Ist mir ein gar verhaßter Klang;
1068
Sie toben wie vom bösen Geist getrieben
1069
Und nennen's Freude, nennen's Gesang.
1070
Bauern unter der Linde.
1071
Tanz und Gesang.
1072
Der Schäfer putzte sich zum Tanz,
1073
Mit bunter Jacke, Band und Kranz,
1074
Schmuck war er angezogen.
1075
Schon um die Linde war es voll
1076
Und alles tanzte schon wie toll.
1077
Juchhe! Juchhe!
1078
Juchheisa! Heisa! He!
1079
So ging der Fiedelbogen.
1080
Er drückte hastig sich heran,
1081
Da stieß er an ein Mädchen an,
1082
Mit seinem Ellenbogen;
1083
Die frische Dirne kehrt sich um
1084
Und sagte: nun das find' ich dumm
1085
Juchhe! Juchhe!
1086
Juchheisa! Heisa! He!
1087
Seyd nicht so ungezogen.
1088
Doch hurtig in dem Kreise ging's,
1089
Sie tanzten rechts sie tanzten links
1090
Und alle Röcke flogen.
1091
Sie wurden roth, sie wurden warm
1092
Und ruhten athmend Arm in Arm,
1093
Juchhe! Juchhe!
1094
Juchheisa! Heisa! He!
1095
Und Hüft' an Ellenbogen.
1096
Und thu mir doch nicht so vertraut!
1097
Wie mancher hat nicht seine Braut
1098
Belogen und betrogen!
1099
Er schmeichelte sie doch bey Seit'
1100
Und von der Linde scholl es weit:
1101
Juchhe! Juchhe!
1102
Juchheisa! Heisa! He!
1103
Geschrei und Fiedelbogen.
1104
Alter Bauer.
1105
Herr Doctor, das ist schön von euch,
1106
Daß ihr uns heute nicht verschmäht,
1107
Und unter dieses Volksgedräng',
1108
Als ein so Hochgelahrter, geht.
1109
So nehmet auch den schönsten Krug,
1110
Den wir mit frischem Trunk gefüllt,
1111
Ich bring' ihn zu und wünsche laut,
1112
Daß er nicht nur den Durst euch stillt;
1113
Die Zahl der Tropfen, die er hegt,
1114
Sey euren Tagen zugelegt.
1115
Faust.
1116
Ich nehme den Erquickungs-Trank,
1117
Erwiedr' euch allen Heil und Dank.
1118
Das Volk sammelt sich im Kreis umher.
1119
Alter Bauer.
1120
Fürwahr es ist sehr wohl gethan,
1121
Daß ihr am frohen Tag erscheint;
1122
Habt ihr es vormals doch mit uns
1123
An bösen Tagen gut gemeynt!
1124
Gar mancher steht lebendig hier,
1125
Den euer Vater noch zuletzt
1126
Der heißen Fieberwuth entriß,
1127
Als er der Seuche Ziel gesetzt.
1128
Auch damals ihr, ein junger Mann,
1129
Ihr gingt in jedes Krankenhaus,
1130
Gar manche Leiche trug man fort,
1131
Ihr aber kamt gesund heraus,
1132
Bestandet manche harte Proben;
1133
Dem Helfer half der Helfer droben.
1134
Alle.
1135
Gesundheit dem bewährten Mann,
1136
Daß er noch lange helfen kann!
1137
Faust.
1138
Vor jenem droben steht gebückt,
1139
Der helfen lehrt und Hülfe schickt.
1140
(Er geht mit Wagnern weiter.)
1141
Wagner.
1142
Welch ein Gefühl mußt du, o großer Mann!
1143
Bey der Verehrung dieser Menge haben!
1144
O! glücklich! wer von seinen Gaben
1145
Solch einen Vortheil ziehen kann.
1146
Der Vater zeigt dich seinem Knaben,
1147
Ein jeder fragt und drängt und eilt,
1148
Die Fiedel stockt, der Tänzer weilt.
1149
Du gehst, in Reihen stehen sie,
1150
Die Mützen fliegen in die Höh';
1151
Und wenig fehlt, so beugten sich die Knie,
1152
Als käm' das Venerabile.
1153
Faust.
1154
Nur wenig Schritte noch hinauf zu jenem Stein,
1155
Hier wollen wir von unsrer Wandrung rasten.
1156
Hier saß ich oft gedankenvoll allein
1157
Und quälte mich mit Beten und mit Fasten.
1158
An Hoffnung reich, im Glauben fest,
1159
Mit Thränen, Seufzen, Händeringen
1160
Dacht' ich das Ende jener Pest
1161
Vom Herrn des Himmels zu erzwingen.
1162
Der Menge Beyfall tönt mir nun wie Hohn.
1163
O könntest du in meinem Innern lesen,
1164
Wie wenig Vater und Sohn
1165
Solch eines Ruhmes werth gewesen!
1166
Mein Vater war ein dunkler Ehrenmann,
1167
Der über die Natur und ihre heilgen Kreise,
1168
In Redlichkeit, jedoch auf seine Weise,
1169
Mit grillenhafter Mühe sann.
1170
Der, in Gesellschaft von Adepten,
1171
Sich in die schwarze Küche schloß,
1172
Und, nach unendlichen Recepten,
1173
Das Widrige zusammengoß.
1174
Da ward ein rother Leu, ein kühner Freyer,
1175
Im lauen Bad, der Lilie vermählt
1176
Und beyde dann, mit offnem Flammenfeuer,
1177
Aus einem Brautgemach ins andere gequält.
1178
Erschien darauf, mit bunten Farben,
1179
Die junge Königin im Glas,
1180
Hier war die Arzeney, die Patienten starben,
1181
Und niemand fragte: wer genas?
1182
So haben wir, mit höllischen Latwergen,
1183
In diesen Thälern, diesen Bergen,
1184
Weit schlimmer als die Pest getobt.
1185
Ich habe selbst den Gift an Tausende gegeben,
1186
Sie welkten hin, ich muß erleben
1187
Daß man die frechen Mörder lobt.
1188
Wagner.
1189
Wie könnt ihr euch darum betrüben!
1190
Thut nicht ein braver Mann genug;
1191
Die Kunst, die man ihm übertrug,
1192
Gewissenhaft und pünctlich auszuüben.
1193
Wenn du, als Jüngling, deinen Vater ehrst,
1194
So wirst du gern von ihm empfangen;
1195
Wenn du, als Mann, die Wissenschaft vermehrst,
1196
So kann dein Sohn zu höhrem Ziel gelangen.
1197
Faust.
1198
O! glücklich! wer noch hoffen kann
1199
Aus diesem Meer des Irrthums aufzutauchen.
1200
Was man nicht weiß das eben brauchte man,
1201
Und was man weiß kann man nicht brauchen.
1202
Doch laß uns dieser Stunde schönes Gut,
1203
Durch solchen Trübsinn, nicht verkümmern!
1204
Betrachte wie, in Abendsonne-Glut,
1205
Die grünumgebnen Hütten schimmern.
1206
Sie rückt und weicht, der Tag ist überlebt,
1207
Dort eilt sie hin und fördert neues Leben.
1208
O! daß kein Flügel mich vom Boden hebt,
1209
Ihr nach und immer nach zu streben.
1210
Ich säh' im ewigen Abendstrahl
1211
Die stille Welt zu meinen Füßen,
1212
Entzündet alle Höhn, beruhigt jedes Thal,
1213
Den Silberbach in goldne Ströme fließen.
1214
Nicht hemmte dann den göttergleichen Lauf
1215
Der wilde Berg mit allen seinen Schluchten;
1216
Schon thut das Meer sich mit erwärmten Buchten
1217
Vor den erstaunten Augen auf.
1218
Doch scheint die Göttin endlich wegzusinken;
1219
Allein der neue Trieb erwacht,
1220
Ich eile fort ihr ew'ges Licht zu trinken,
1221
Vor mir den Tag, und hinter mir die Nacht,
1222
Den Himmel über mir und unter mir die Wellen.
1223
Ein schöner Traum, indessen sie entweicht.
1224
Ach! zu des Geistes Flügeln wird so leicht
1225
Kein körperlicher Flügel sich gesellen.
1226
Doch ist es jedem eingeboren,
1227
Daß sein Gefühl hinauf und vorwärts dringt,
1228
Wenn über uns, im blauen Raum verloren,
1229
Ihr schmetternd Lied die Lerche singt;
1230
Wenn über schroffen Fichtenhöhen
1231
Der Adler ausgebreitet schwebt,
1232
Und über Flächen, über Seen,
1233
Der Kranich nach der Heimat strebt.
1234
Wagner.
1235
Ich hatte selbst oft grillenhafte Stunden,
1236
Doch solchen Trieb hab' ich noch nie empfunden.
1237
Man sieht sich leicht an Wald und Feldern satt,
1238
Des Vogels Fittig werd' ich nie beneiden.
1239
Wie anders tragen uns die Geistesfreuden,
1240
Von Buch zu Buch, von Blatt zu Blatt!
1241
Da werden Winternächte hold und schön,
1242
Ein selig Leben wärmet alle Glieder,
1243
Und ach! entrollst du gar ein würdig Pergamen;
1244
So steigt der ganze Himmel zu dir nieder.
1245
Faust.
1246
Du bist dir nur des einen Triebs bewußt,
1247
O lerne nie den andern kennen!
1248
Zwey Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
1249
Die eine will sich von der andern trennen;
1250
Die eine hält, in derber Liebeslust,
1251
Sich an die Welt, mit klammernden Organen;
1252
Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust,
1253
Zu den Gefilden hoher Ahnen.
1254
O giebt es Geister in der Luft,
1255
Die zwischen Erd' und Himmel herrschend weben,
1256
So steiget nieder aus dem goldnen Duft
1257
Und führt mich weg, zu neuem buntem Leben!
1258
Ja, wäre nur ein Zaubermantel mein!
1259
Und trüg' er mich in fremde Länder,
1260
Mir sollt' er, um die köstlichsten Gewänder,
1261
Nicht feil um einen Königsmantel seyn.
1262
Wagner.
1263
Berufe nicht die wohlbekannte Schaar,
1264
Die, strömend, sich im Dunstkreis überbreitet,
1265
Dem Menschen tausendfältige Gefahr,
1266
Von allen Enden her, bereitet.
1267
Von Norden dringt der scharfe Geisterzahn
1268
Auf dich herbey, mit pfeilgespitzten Zungen;
1269
Von Morgen ziehn, vertrocknend, sie heran,
1270
Und nähren sich von deinen Lungen;
1271
Wenn sie der Mittag aus der Wüste schickt,
1272
Die Glut auf Glut um deinen Scheitel häufen,
1273
So bringt der West den Schwarm, der erst erquickt,
1274
Um dich und Feld und Aue zu ersäufen.
1275
Sie hören gern, zum Schaden froh gewandt,
1276
Gehorchen gern, weil sie uns gern betrügen,
1277
Sie stellen wie vom Himmel sich gesandt,
1278
Und lispeln englisch, wenn sie lügen.
1279
Doch gehen wir! ergraut ist schon die Welt,
1280
Die Luft gekühlt, der Nebel fällt!
1281
Am Abend schätzt man erst das Haus. --
1282
Was stehst du so und blickst erstaunt hinaus?
1283
Was kann dich in der Dämmrung so ergreifen?
1284
Faust.
1285
Siehst du den schwarzen Hund durch Saat und Stoppel streifen?
1286
Wagner.
1287
Ich sah ihn lange schon, nicht wichtig schien er mir.
1288
Faust.
1289
Betracht' ihn recht! für was hältst du das Thier?
1290
Wagner.
1291
Für einen Pudel, der auf seine Weise
1292
Sich auf der Spur des Herren plagt.
1293
Faust.
1294
Bemerkst du, wie in weitem Schneckenkreise
1295
Er um uns her und immer näher jagt?
1296
Und irr' ich nicht, so zieht ein Feuerstrudel
1297
Auf seinen Pfaden hinterdrein.
1298
Wagner.
1299
Ich sehe nichts als einen schwarzen Pudel,
1300
Es mag bey euch wohl Augentäuschung seyn.
1301
Faust.
1302
Mir scheint es, daß er magisch leise Schlingen,
1303
Zu künft'gem Band, um unsre Füße zieht.
1304
Wagner.
1305
Ich seh' ihn ungewiß und furchtsam uns umspringen,
1306
Weil er, statt seines Herrn, zwey Unbekannte sieht.
1307
Faust.
1308
Der Kreis wird eng, schon ist er nah!
1309
Wagner.
1310
Du siehst! ein Hund, und kein Gespenst ist da.
1311
Er knurrt und zweifelt, legt sich auf den Bauch,
1312
Er wedelt. Alles Hunde Brauch.
1313
Faust.
1314
Geselle dich zu uns! Komm hier!
1315
Wagner.
1316
Es ist ein pudelnärrisch Thier.
1317
Du stehest still, er wartet auf;
1318
Du sprichst ihn an, er strebt an dir hinauf;
1319
Verliere was, er wird es bringen,
1320
Nach deinem Stock ins Wasser springen.
1321
Faust.
1322
Du hast wohl recht, ich finde nicht die Spur
1323
Von einem Geist, und alles ist Dressur.
1324
Wagner.
1325
Dem Hunde, wenn er gut gezogen,
1326
Wird selbst ein weiser Mann gewogen.
1327
Ja deine Gunst verdient er ganz und gar
1328
Er, der Studenten trefflicher Scolar.
1329
(Sie gehen in das Stadt-Thor.)
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